Die neuen Regeln im Überblick

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Basel – Nichts bleibt für die Ewigkeit: Der Handball-Weltverband IHF führt für besonders schwere Vergehen eine neue Kartenfarbe ein. Außerdem gibt es neue Regelungen für Verletzte, passives Spiel und die letzten dreißig Sekunden. Diese fünf Neuerungen betreffen die neue blaue Karte, die letzte Spielminute, einen siebten Feldspieler, passives Spiel und Verletzungsunterbrechungen.

Marcus Helbig und Lars Geipel während einer der neuen Regelauslegungen.

Siebter Feldspieler statt Torwart

Künftig muss ein siebter Feldspieler nicht mehr mit einem andersfarbigen Trikot oder Leibchen als Torwart gekennzeichnet sein. Dann darf er oder sie aber auch nicht mehr die „Aufgaben“ des Torwarts erfüllen und zum Beispiel den Sechs-Meter-Raum betreten – sonst gibt es einen Strafwurf. Es ist allerdings weiterhin erlaubt, einen siebten Feldspieler als „Ersatz-Torwart“ zu kennzeichnen, der dann auch in der Abwehr den Torraum betreten darf.

Verletzte Spieler

Die Zahl der Behandlungen auf dem Feld soll reduziert werden, nur in berechtigten Fällen sollen die Schiedsrichter Offizielle der Mannschaften aufs Feld lassen. Wird er auf dem Feld behandelt, muss der verletzte Spieler allerdings drei Angriffe seiner Mannschaft auf der Bank pausieren, ehe er/sie wieder aufs Feld darf. Seine Mannschaft muss den freien Platz mit einem anderen Spieler auffüllen. Betritt der Spieler das Feld früher, erhält er/sie eine Zwei-Minuten-Strafe wegen falschen Wechsels. Von dieser Regeln ausgenommen sind zwei Fälle: Erstens Behandlungen von Torhütern nach Kopftreffern und zweitens, wenn der Gegenspieler nach einem Foul eine progressive Bestrafung (gelbe Karte, zwei Minuten, rote Karte) erhält.

Passives Spiel/Zeitspiel

Wenn die Schiedsrichter das Zeichen für Zeitspiel geben, darf die angreifende Mannschaft noch sechs Pässe spielen, bevor abgepfiffen wird und der Gegner den Ball erhält. Diese sechs Pässe werden auch dann nicht unterbrochen, wenn die gegnerische Mannschaft einen Wurf abgeblockt hat oder die Angreifer einen Freiwurf erhalten.

Die letzten 30 Sekunden

Bereits in der Männer- und Frauen-Bundesliga wird seit dieser Saison die Neuregelung umgesetzt, die Fouls in den letzten 30 Sekunden betrifft – und nicht mehr in der letzten Spielminute. Begeht ein Abwehrspieler in diesem Zeitraum eine grobe Regelwidrigkeit, erhält er/sie eine rote Karte und – das ist neu – die angreifende Mannschaft automatisch einen Siebenmeter. Allerdings wird nicht jedes Foul in den letzten 30 Sekunden nach dieser Regel geahndet.

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Wie muss entschieden werden? Gelbe, Rote oder Blaue Karte!

Blaue Karte

Um allen Beteiligten nach einer roten Karte sofort klar zu machen, ob ein Zusatzbericht folgt, der dann im Falle der IHF eine automatische Sperre nach sich zieht, werden die Schiedsrichter in solchen Fällen nach der roten auch eine blaue Karte zeigen.

Videobeweis

Wie schon bei der Männer-WM in Qatar 2015 wird nun auch bei den Frauen der Videobeweis eingesetzt. Die IHF hat den Rahmen für diese technische Unterstützung der Schiedsrichter zudem erweitert.

Quelle: IHF Fotos: Ulf Thaler

Das Wunder von Köln – Die SG Flensburg-Handewitt gewinnt die Champions League 2014

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Köln/Flensburg – Die SG Flensburg-Handewitt reiste beim VELUX EHF FINAL 4 weiter auf der Welle „Wahnsinn“ und feierte den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte. Mit einem 30:28 (14:16) über den THW Kiel ist sie zum ersten Mal Sieger in der VELUX EHF Champions League. Und: Fortsetzung wegen des großen Erfolgs – abermals holte die SG sechs Tore auf und machte zum zweiten Mal binnen 24 Stunden ein „Wunder von Köln“ perfekt. „Das ist das Ende einer unglaublichen Reise“, genoss SG-Trainer Ljubomir Vranjes den tollen Moment. „Wir hatten in den  letzten drei Jahren viele schlechte, aber auch viele sehr gute Spiele. Das war sicherlich eines unserer besseren.“ SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke ergänzte: „Das ist der letzte Titel, der uns noch fehlte. Er war ein Ergebnis von Leidenschaft, Raffinesse, jugendlicher Unbekümmertheit und taktischen Überraschungen.“ SG Flensburg-Handewitt Logo 2012

„Euphoria“, der zwei Jahre alte europäische Musik-Hit, feuerte die Euphorie vor dem europäischen Handball-Gipfel weiter an. Die SG allerdings erwischte einen nervösen Beginn, leistete sich gegen die offensive Kieler Defensive mehrere Ballverluste. Die Folge: Der THW düste mit seinen gefährlichen Gegenstößen sogleich davon. 4:1 und 8:3 lauteten die fast schon niederschmetternden Zwischenstände. Die SG hatte mit Ausnahme von  Drasko Nenadic mit der Startaufstellung des Vortags-Triumphs operiert. Bereits nach etwas mehr als sechs Minuten nahm Ljubomir Vranjes Korrekturen vor. Steffen Weinhold und Jim Gottfridsson sollten nun die Lücken in der Kieler Deckung erspähen. Aus der SG-Abwehr wurden die ersten Ballgewinne für Konter versetzt. Lasse Svan verkürzte auf 8:5, doch sofort drückte der THW wieder aufs Gaspedal. Beim 11:5 und 12:6 hatte der Favorit ein sattes Polster von sechs Toren.

Ein Rückstand, der – das weiß seit gestern jeder – ein Team wie die SG nicht schreckt. Sie kam nun besser in die Partie und ließ sich von einer zwischenzeitlichen 6:0-Abwehr der Kieler nicht stoppen. Lasse Svan drückte den Ball von Rechtsaußen in die Maschen. 12:9! Thomas Mogensen und Steffen Weinhold schritten zielstrebig durch das Abwehrbollwerk, während Anders Eggert den Spaß am Kontern entdeckt hatte. 14:12 – das sah schon ganz anders aus. Zwar antwortete der THW nochmals mit Macht, aber die SG konnte den knappen Rückstand bis zur Pause konservieren. Etwas Glück hatte sie allerdings bei einem direkten Freiwurf, den Aron Palmarsson über die Mauer an die Latte donnerte. Da ging ein imposantes Raunen durch die Lanxess-Arena.

Die Stimmung war einem europäischen Handball-Fest angemessen. Im SG-Block war diese nun am besten, denn ihre Mannschaft kehrte bestens aufgelegt aus der Pause zurück. Sie war nun dran, erwischte sogar die Abpraller – zunächst Anders Eggert, dann Jacob Heinl. Der Ausgleich lag in der Luft. Die erste Möglichkeit von Lasse Svan blieb ohne Erfolg, dann hatte Tobias Karlsson Pech mit einem Pass aus der Abwehr heraus. Im dritten Anlauf klappte es: Thomas Mogensen entdeckte die Einbahn-Straße und markierte das 19:19. Anders Eggert packte einen drauf: Erstmals führte die SG. Der THW versuchte sich neuzuordnen. Nach einem Team-Time-Out bediente der Zebra-Rückraum den Kreisläufer Patrick Wiencek. Völlig freistehend scheiterte er an Mattias Andersson. Der SG-Keeper war nun völlig in seinem Element und machte das Rennen im Torhüter-Duell. Die Nordlichter hatten Rückenwind und sausten davon. Urplötzlich hieß es 21:25. „Super Flensburg, super Flensburg-Handewitt“, erklang es von den Rängen. Keinen hielt es mehr auf seinem Platz.

HBL Final4 2014 - SG Spielbeginn

Kurz vor dem Gewinn der Champions League 2014 – Die SG stimmt sich auf die letzten Minuten ein.

Jetzt cool bleiben – der Gegner war am Straucheln, aber noch längst nicht am Boden. Christian Zeitz verkürzte auf 25:26. Kurz darauf verlor die SG erneut den Ball, doch der THW auch. Anders Eggert hatte die Nerven und brachte seine Farben wieder mit zwei Treffern in Front. Unglaublich auch Jim Gottfridsson, der mit seinen 21 Jahren einmal mehr zum echten Aktivposten avancierte. 25:28 – nur noch sieben Minuten! Immer mehr sprach für die SG. „Ich wusste, dass es schwer werden würde“, bekannte später THW-Coach Alfred Gislason. „Am Ende fehlte einfach die Kraft, meine Spieler wurden immer müder.“

Es blieb aber packend. Marko Vujin zum 28:29, Holger Glandorf antwortete zum 28:30. 70 Sekunden vor Schluss nahm Ljubomir Vranjes seine Auszeit. Konzentration und Kondition bekamen noch einmal eine einminütige Seelen-Massage. 55 Sekunden vor Schluss scheiterte Steffen Weinhold am Pfosten, doch 25 Sekunden später fing Mattias Andersson den letzten Kieler Wurf. Da war das Ding durch, der kollektive Jubel nahm zu und mündete in unbeschreibliche Freude. Der Sieger der VELUX EHF Champions League 2013/2014 ist die SG Flensburg-Handewitt. „In den letzten Jahren waren wir in vielen Finals“, freute sich Anders Eggert über das Happyend. „Immer waren wir dicht dran. Jetzt hat es endlich geklappt – und wir haben den wichtigsten Titel des Vereinshandballs errungen.“

Quelle: SG Flensburg-Handewitt Fotos: Ulf Thaler Logo: HBL